Ich grüße euch in der allgegenwärtigen Liebe
Gottes.
Am heutigen Abend möchte ich der Frage nachgehen, was die
Allgegenwärtigkeit Gottes für den Menschen eigentlich bedeutet.
Aus unserer Sicht ist die Existenz und Gegenwart Gottes das Realste und
Objektivste der Schöpfung. Eine Gegensätzlichkeit zu Gott ist nur ein Ausdruck von
Irrealität und Machtlosigkeit. Das was Ihr als "Negativ" und "Böse"
bezeichnet, hat keine eigene Realität. Es hat seine scheinbare Kraft und Gewalt
nicht aus sich selbst heraus, sondern bezieht seine Energie und scheinbare Überlegenheit
nur von denen, die sie nähren. Ich weiß, dass man aus dem Erlebnishorizont der Erde
gesehen eine Reihe von Einwänden bringen wird. Doch euer Weg, der euch mit jedem Atemzug
wieder näher zum Schöpfer bringt, macht es euch bewusst: Es gibt nichts Böses und
Negatives als Gegenpol zum Guten. Es gibt nur einen Mangel an Vollkommenheit. Je weiter
sich euer Bewusstsein entwickelt, desto mehr werdet Ihr euch darüber im klaren sein,
dass
man Kälte ja auch nicht bekämpft, sondern nur durch Wärme wandeln kann. Die Gewalt, die
gegensätzliche Kräfte scheinbar haben, könnt Ihr nur dadurch wirkungslos werden lassen,
indem Ihr in diese Leere hinein eure Liebe und Barmherzigkeit gießt.
Diese Gesetzmäßigkeit ist in vielerlei Hinsicht anwendbar. Trachtet
nicht danach, euch auf Mängel hin zu analysieren, zu zerlegen oder zu zerstückeln, um
dann schamvoll vor euch selbst zu stehen. Nein, auf diesem Weg kommt Ihr nicht weiter. Es
ist weder sinnvoll ungute Eigenschaften unterdrücken, bekämpfen oder besiegen zu wollen,
noch ist es sinnvoll, in Selbstmitleid oder Selbstverachtung zu zerfließen. Fehler sind
nur Leere und Mangel. Sucht in euch nach den positiven und guten Eigenschaften, stärkt
und entwickelt diese. Nur sie sind die wahren, real existierenden Kräfte. Sucht nach
Lichtem, nach Schönem und bringt es hinein in Euren Alltag, bringt es hinein in die
Begegnung mit anderen Menschen. Gestaltet die Gespräche mit Freunden und all jenen, denen
Ihr helfen dürft, als ein Einpflanzen von lichten und positiven Elementen. Sprecht nicht
mit Ihnen über den öden, leeren Acker, sondern sprecht mit Ihnen über das Korn, das
darauf wachsen könnte. Bringt Licht in die Situation und verwendet dabei Worte, die die
Fülle und nicht den Mangel symbolisieren. Versucht in Diskussionen nicht mit dem Schwert
eures Geistes gegen die Meinung des anderen zu sprechen, sondern mit konstruktiven
Gedanken den Mangel, den Ihr im Argument des anderen erkennt, aufzufüllen. Zerstört
nicht mit der Schärfe geschliffener Worte die geistige Wohnung dieses Menschen, sondern
seid ein Gast, der ein Geschenk mitbringt. Wenn Ihr diesen Weg beschreitet, liebe
Geschwister, ist euer Leben erfüllt von Kraft und Harmonie. Eure Gespräche sind dann
durchdrungen von Wärme und Schönheit, und die, die euch umgeben, sind nicht zermürbt
von ihrer eigenen Unvollkommenheit, sondern neu gestärkt und getragen.
Dass Böses und Negatives nur Mangelerscheinungen und keine eigenen
Kräfte sind, ist im Grunde ein ganz einfaches kosmisches Gesetz und lässt euch auch
erkennen, welche Worte wirklich aus dem Munde des Heilandes geflossen sind. Wie könnte
er, der Bote des Friedens, jemals gesagt haben, er bringe das Schwert? Um Liebe zu geben,
braucht man kein Schwert, und um sich zu verteidigen braucht es der, der in der Größe
und Kraft des Schöpfers lebt, auch nicht. Dieser Mensch ist unantastbar und unangreifbar.
Aus eurer menschlichen Sicht gibt es aber durchaus Situationen, in
denen Ihr euch angreifbar fühlt oder gar das Empfinden habt, besiegt worden zu sein. Das
sind Situationen, in denen eure eigene Willensvorstellung im Vordergrund stand. Neben sehr
viel unnötigem Leid, das wisst Ihr, gibt es auch notwendiges Leid in dieser Welt. Es ist
jenes Leid, zu dem sich der Geist vor seiner Inkarnation freiwillig entschlossen hat, um
seine Schwächen erkennen und ablegen zu können. Wenn Ihr nun angesichts dieses Leides
meint, es lindern zu wollen, dem Leid abhelfen zu müssen, dann blockiert, hemmt und
verzögert Ihr den Erlösungsplan. Das heißt, Ihr müsst immer wieder zu erspüren
trachten, wo und wie eure Hilfe recht am Platze ist. Ist sie wirklich die von Gott
gewollte Hilfe, oder entspringt sie gänzlich dem eigenen Willen, bei der Ihr dann Gefahr
lauft, den wunderbaren Heilsplan, der an jedem Geschöpf vollzogen wird, zu bremsen.
Absatz
Zwischen notwendigem und unnötigem Leid unterscheiden zu lernen ist
sehr schwer, ich weiß es wohl. Dies ist aber ein notwendiges Element der Reifung. Wenn im
Menschen der Geist der Liebe wieder erwacht, nachdem er sich über Äonen aus der Harmonie
des Schöpfers herausgelöst hatte, dann will er sich bedenkenlos verschenken. Er will
immer wieder nur geben, aus dem Bewusstsein heraus, so vieles versäumt zu haben. Die
geistige Welt unterstützt dieses Erwachen der Liebe, indem Wunder und Heilungen
geschehen, die sich scheinbar in keinen geordneten Rahmen einfügen lassen. Dann sind ganz
einfache Menschen plötzlich in der Lage, unheilbare Krankheiten zu heilen. Es geschehen
geistige Operationen und Fernheilungen mit solcher Überzeugungskraft, dass die
Betroffenen von diesen Eindrücken förmlich überrannt werden. Die Wirkung dieser Wunder
sind bei denen, die sie ausführen, und bei denen, die sie erfahren, wie ein warmer
Sommerregen nach einer sehr langen Dürrezeit. Wie das Gras dann sprießt, so sprießt
ihre Bereitschaft und ihre Kraft, an die Existenz und Gegenwart Gottes zu glauben.
Ihr neigt vielleicht dazu, diese Vorgänge als das Höchste, als das
Schönste und Vollkommenste in der Gottesbeziehung zu sehen und als Ausdruck höchster
Gnade zu empfinden. Jedoch, es ist nur die erste Stufe des wiedererwachten Geistes, die er
in seinem Bemühen, sich zu verschenken, erklimmt. Seine eigene Vorstellung von Hilfe
steht völlig im Vordergrund. Ohne Überblick über den Erlösungsplan vergießt,
verströmt, ja verschüttet er seine Energie ungezielt überallhin, wo er Leid entdeckt.
Wer auf dieser Stufe gelernt hat, wahrhaft selbstlos zu lieben, kann
dann zur nächsten Stufe geführt werden. Versteht mich recht, diese erste Stufe der
selbstlosen und voraussetzungslosen Liebe muß absolut vollkommen beherrscht sein. Nur
dann wird er in die nächste Stufe eingeweiht. Dort lernt Ihr dann , euer sehnendes und
liebendes Herz zu bändigen. Ihr müsst lernen, die Liebe des Schöpfers genau zu
beobachten. Nur so könnt Ihr erkennen, wie sie sich an jedem Geschöpf auswirkt, und
häufig werdet Ihr dazu nicht als Werkzeug gebraucht. Schaut, die Zahl derer, die sich um
diese Welt kümmern, ist um ein Vielfaches größer, als die Zahl der Menschen selbst.
Alles ist wohl durchdacht und organisiert. Niemand, mag er scheinbar noch so verlassen
sein, ist tatsächlich allein und vergessen. Jeder, auch der scheinbar Erbärmlichste, ist
beschützt und geborgen. Aber Gottes Liebe ist nicht nur langmütig, sondern auch handelnd
und konzentriert. So ist diese Welt die härteste, aber auch die effektivste Schule im
ganzen Kosmos, und vom Einzelnen wird soviel abverlangt, wie er gerade noch zu tragen
vermag.
Ich weiß, dass meine Worte in mancher Hinsicht für euch ein neuer
Denkanstoß sind. Ihr müßt lernen, zu erfahren, wann und wie eure Hilfe gebraucht wird.
Versucht in den Augenblicken, in denen Ihr jemandem gegenübersteht, zu erspüren, ob der
Zeitpunkt für Hilfe gekommen ist. Es geht nicht darum, ihn nun mit Wahrheit zu
überschütten, sondern ihm jene nächste Stufe zu vermitteln, die er gänzlich zu
akzeptieren vermag. Der vom Feuer der wiedererwachten Liebe Getragene neigt immer dazu, in
überschäumender Weise die anderen in seiner Liebe und Weisheit zu ertränken. Ihr könnt
einem Nichtschwimmer auch nicht gleich das Schwimmen im Ozean lernen. Ihr laßt ihn erst
einmal am flachen Ufer die ersten Schwimmzüge machen, dort, wo er jederzeit wieder festen
Grund findet. So ist es auch mit den geistigen Dingen. Überlegt euch ganz genau, was wohl
der nächste realisierbare und stabilisierbare Schritt für diesen Menschen ist. Und nur
diese Stufe der Wahrheit bietet ihm an. Alle Religionen dieser Welt haben ihren Sinn und
ihre Notwendigkeit. Wahrheit ist im Irdischen immer etwas Relatives - genau das, was der
Einzelne im Augenblick zu begreifen und umzusetzen vermag. Es ist die augenblickliche
Wahrheit für ihn.
Ihr seht also, eure Aufgabe ist weitaus schwieriger als die Aufgabe
derer, die "nur", und ich sage das gewiss nicht abwertend, die Hände auflegen
oder einfach helfen, damit das Angebot unseres himmlischen Vaters für den Rückweg
Ausdruck finden kann. Von euch aber wird mehr erwartet. Als geschickte geistige Arbeiter
sollt Ihr auf alle Situationen individuell eingehen und auch bereit sein, den Einzelnen in
Gemeinschaften hineinzuführen, die euch selbst nicht als der Ausdruck der Wahrheit
erscheinen. Wenn Ihr aber spürt, dass genau hier für ihn im Moment die Antworten liegen,
die er braucht, so seid bereit dazu. Auch Enttäuschung und Ernüchterung kann zur
nächsten Stufe weiterhelfen. Es ist eine sehr schwere Aufgabe, die von euch nach außen
eine sehr starke Zurücknahme fordert. Das heißt, eigene Erkenntnisse, die zum Ausdruck
kommen möchten, zugunsten der geistigen Notwendigkeit zurückzustellen.
Immer wieder wird der Fehler gemacht: Man begegnet Menschen, man
erkennt in ihnen die Bereitschaft, Geistiges anzunehmen, und dann werden sie
überschüttet mit einer Vielzahl von geistigen und kosmischen Gesetzmäßigkeiten. Man
meint, in diese Situation alles hineinlegen zu müssen, was man je erfahren und in
freudigster Dankbarkeit entdeckt hat. Aber der andere ertrinkt darin, vermag es nicht zu
fassen und rettet sich zappelnd wieder an das Ufer seiner alten Gewohnheiten. Dann ist in
diesem Menschen ein großer Schaden entstanden. Denn diese Flut von Erkenntnissen, die Ihr
über ihn häuft, erscheinen ihm von diesem Augenblick an wie ein tosendes Meer, in das er
sich nun für lange Zeit nicht mehr hineinwagt. Er spürt, daß alles wie eine Woge über
ihm zusammenschlägt und alles zuviel für ihn ist. Er ist ab diesem Moment nicht mehr
ansprechbar. Seine Ablehnung gegenüber euch und all dem, was Ihr sagt, findet keine
rationale Argumentation, sie ist einzig und allein gefühlsbestimmt. So ist eine
entscheidende Chance vertan.
Liebe Geschwister, in dem Moment, in dem Ihr Mittler der Liebe Gottes
werdet und in die Aufgabe eines Mitarbeiters im Heilsplan hineinwachst, seid Ihr
auch Verantwortungsträger! Ihr werdet in den karmischen Plan des einzelnen eingegliedert
und seid so mitverantwortlich, wenn Ihr ihn durch Überforderung für eine gewisse Zeit
blockiert. Wohl wird man zu gegebener Zeit das Unrecht wieder ausgleichen, was an ihm
geschehen ist. Dennoch ist eine Chance vertan und zusätzliche geistige Arbeit
erforderlich, um Euren Fehler wieder auszugleichen. Zeigt euch durch überlegtes Handeln,
überlegtes Denken und Abwägen dieser Verantwortung würdig. So werdet Ihr von Tag zu Tag
bessere Boten der Liebe Gottes werden und würdiger, in die Fußstapfen unseres großen
Meisters und Erlösers zu treten.
Macht den Menschen bewusst, dass sie in Christus geborgen sind,
dass
sich alles Leid und alle Not in den meisten Fällen nur im Bereich der Gedanken abspielen.
Viele Menschen haben vor den Ereignissen der kommenden Zeit Angst. Und doch wissen wir mit
Sicherheit, dass sie niemals ernstlich von diesen Ereignissen berührt sein werden. In
ihren Gedanken allein spielt sich das Drama ab. Vorfreude ist etwas Schönes, Vorangst
etwas Wertloses. Sobald Ihr euch der Führung durch Christus überlasst, wird euch im
rechten Moment Kraft zur Verfügung stehen - wohlgemerkt im rechten Moment. Wenn Zeichen
und Wunder gebraucht werden, werden Zeichen und Wunder für euch geschehen. Aber Ihr
könnt sie nicht jetzt schon erwarten. Noch ist die Zeit der Vorbereitung, damit dann,
wenn die Welt euch braucht, in euch die Fähigkeit gewachsen ist, wirkliche Vermittler der
Liebe Gottes zu sein. Seid in dieser Zeit einfach Menschen, in deren Umgebung sich andere
wohlfühlen.
So löse ich mich wieder aus diesem Medium und segne euch in der Liebe
und Kraft unseres Heilandes und Meisters Jesus Christus.
Gott zum Gruß und Jesu Heil.